Der Strich zwischen Geburt und Tod

Jörg Ahlbrecht über das, was unser Leben trägt und ausmacht

Draußen hat es einen kleinen Wintereinbruch gegeben in Hannover, es schneit. Drinnen in der Arena geht es am Sonntag in den 2. Tag des Willow Creek Kinderplus-Kongresses. Die Band singt mit den 2.900 Teilnehmenden: „Sei du der Mittelpunkt in meinem Leben …“ Moderatorin Febe greift den Faden auf und sagt: „Wenn wir nicht immer wieder unseren Mittelpunkt finden, haben wir keine Kraft für den Dienst.“

Jörg Ahlbrecht, Referent bei Willow Creek Deutschland, führt den Gedanken zu diesem Mitarbeitergottesdienst weiter und erklärt: „Es geht um unsere Seele, unseren Glauben, unser Leben, um das, was uns trägt.“ Vor ein paar Jahren ist er in der Paisley Abbey in Schottland gewesen, sagt Ahlbrecht: Mehr als tausend Jahre Glaube sind dort verdichtet. Man stößt auf die Liste der High Stewards von Schottland. Ihr Leben ist dort in Zahlen gepackt, zwischen die Geburt und den Tod – und „der Strich dazwischen schließt das ganze Leben ein“. Das gilt auch für heute. „Das Leben ist wertvoll, dieses Wissen macht die Tage kostbar. Wir sollten sie nicht verballern wie einen Abend vorm Fernseher!“ Vielmehr gilt es, das, was man „Leben" nennt, zu nutzen, zu genießen und wertzuschätzen.

Der Schlüssel zu einem wertvollen und weisen Leben liegt nun darin, sagt Ahlbrecht, „dass wir lernen, dass wir sterben müssen“. Wenn unsere Seele das als wahr erkennt und begreift, dann ändert sich etwas entscheidend im Leben. Die Frage ist: Ist die Wahrheit um das Sterben in meiner Seele verankert? Dann sucht die Seele nach mehr Halt, nach dem, was trägt. „Dann entdecken wir das Leben mit Frieden, Gelassenheit und ewiger Perspektive.“

Wie aber kommen wir zu der Erkenntnis? „Der Schlüssel zur Veränderung ist die - immer wiederkehrende – Übung“, erklärt Ahlbrecht. Denn das Leben wird beherrscht von eingeübten Dingen. Er gibt ein paar kleine „Todes"-Übungen weiter, die im Leben helfen, weil sie Gewohnheiten formen.

Da ist die Übung der Stille, angesichts der Bombardierungen mit Eindrücken, aus einem inneren Reservoir zu leben. Ahlbrecht: „Die Seele wird in der Stille bereit, auf die eine Stimme zu hören, die persönlich zu mir spricht.“ Da ist die Übung des Weitergebens: „Dadurch entsteht neues Leben, auch wenn es wehtut.“ Und schließlich die Übung der Hingabe: Eigene Pläne loslassen und Gott nach seinen Plänen fragen, „das fühlt sich oft wie Sterben an“. Dennoch: „Es gibt kein Recht, dass ich bekomme, was ich will, aber es ist weise zu fragen: was hast du vor, Gott? Was ist dein Traum für mein Leben?“ Ahlbrecht schließt: „Mein Leben liegt in der Hand des ewigen Gottes; dort ist es gut aufgehoben.“

Zur Bekräftigung feiert die ganze Halle in langen Menschenschlangen gemeinsam das Abendmahl.