Willow Creek-Kongresse inspirieren und ermutigen seit Jahren nicht nur Pastorinnen und Pastoren. Neben den Haupt- und Ehrenamtlichen, die im gemeindlichen Dienst aktiv sind, nehmen Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen an den Kongressen teil. Auch sie profitieren von den hochqualifizierten und praxisrelevanten Vorträgen.

Viele der Inhalte haben grundlegende Relevanz für das eigene Leben und können nicht nur im kirchlichen Kontext umgesetzt werden. Das hat auch die junge Lehrerin Anne Bergmann erlebt, die am Pestalozzi-­Gymnasium im sächsischen Heidenau unterrichtet. Sie schrieb uns:

»Der Vortrag ›Kirche als Ort der Barmherzigkeit‹ von Prof. Michael Herbst beim Leitungskongress 2016 hat mich sehr beeindruckt. Inhaltlich passte er gut in den sächsischen Lehrplan für das Fach Religion zum Thema ›Staat und Kirche‹ im 12. Jahrgang. Aktuelle politische Themen sollen natürlich Teil des Unterrichts sein. Allerdings sind Schüler häufig durch die Berichterstattung in den Medien vorgeprägt. Dadurch ist es wichtig, einen zusätzlichen Zugang zum Thema zu finden – z.B. durch eine persönliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen. Vor diesem Hintergrund habe ich den Vortrag ›Kirche als Ort der Barmherzigkeit‹ in einem Kurs vorgestellt. Die Reaktion fiel überraschend positiv aus. Viele Schüler verfolgten den Vortrag aufmerksam und konnten die Argumentationslinie nachvollziehen. Besonders die Definition von ›Kirche als Ort der Barmherzigkeit‹ hat sie angesprochen.«

Dieses Beispiel zeigt, dass die Kongressbeiträge nicht nur eine Bereicherung für die Teilnehmenden selbst, sondern auch eine nicht zu unterschätzende Hilfe in diesem Fall für die Abiturienten in dem kleinen Städtchen in Sachsen wurden.

Vorbild-Funktion begreifen

Berichte wie dieser lösen dann auch die Frage aus, ob nicht neben Pastorinnen und Pastoren eine weitere Berufsgruppe auf den Kongressen vertreten ist, die im Zusammenhang mit der Glaubensentwicklung von Menschen eine wichtige Rolle spielt. Mir geht es nicht um ein ›Ich-bin-aber-auch-wichtig‹-Ranking, sondern darum, Chancen für die Zukunft zu erkennen und zu nutzen. Tatsache ist: An allen Schulen in Deutschland gibt es Kinder und Jugendliche, die noch nie eine Kirche von innen gesehen und auch keinen Kontakt zu Menschen haben, die sich als Christen bezeichnen und eine persönliche reflektierte Glaubensüberzeugung besitzen.

Viele Heranwachsende suchen nach religiöser Orientierung und tragen eine Sehnsucht nach Leben in sich. Sie fragen nach der Bedeutung von Glauben und bleiben letzten Endes bei der Suche nach Antworten sich selbst überlassen. Mir begegnen viele dieser ehemaligen Schüler, die sich durch ein Theologiestudium in diesen Fragen Klarheit verschaffen möchten. Viele behaupten, dass grundlegende Glaubensfragen nie Thema im Unterricht waren und Lehrer schwierige Fragen oftmals umgangen oder abgewiesen haben.

Dabei geht es nicht nur um den Religionsunterricht. Lehrer sind ein Gegenüber für Schüler, sie sind Ansprechpartner und durch ihr Verhalten immer auch Modelle für bestimmte Lebenskonzepte. Wer erinnert sich im Rückblick auf seine Schulzeit nicht an Lehrerinnen und Lehrer, die sich entweder als positive Vorbilder oder als negative Beispiele ins Gedächtnis geschrieben haben? Was für eine Chance für alle, die als Lehrerinnen und Lehrer arbeiten und als überzeugte Christen leben! Fünf Tage in der Woche, Monat für Monat, nicht selten sogar über Jahre, bleibt der Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und manchmal sogar deren Eltern bestehen.

»Es gibt viele Pädagogen, die – allen Wider­ständen zum Trotz – Vorbilder für junge Menschen sind.«

Niemand sagt, dass es einfach ist

Viele Pädagogen stehen heute äußerst komplexen Anforderungen und Herausforderungen gegenüber. Den Erwartungen an den Berufsstand ›Lehrer‹ steht zugleich ein relativ geringes gesellschaftliches Ansehen gegenüber, auch wenn sich dies in letzter Zeit tendenziell etwas gebessert haben soll.

Tatsache ist: Unser Land braucht gute Lehrer. Aber wie sieht die Zukunft in einer immer komplexer und säkularer werdenden Welt aus? Modularisierte Studiengänge sind flächendeckend zu fachspezifisch und bereiten Studierende nur ungenügend auf den späteren Beruf und die künftigen Anforderungen vor. Lehrer sollen nicht nur Profis in Erziehungsfragen sein, sondern auch ständig wechselnde Vorgaben umsetzen, methodisch breit aufgestellt sein und Schüler für den Unterricht begeistern können. Sie sollen fördern, inklusiv unterrichten, müssen beratend und manchmal auch seelsorgerlich tätig sein, alle Schüler fair behandeln und benoten, Konflikte schlichten, nett und in höchstem Maße fachkompetent sein … um nur einige der zahlreichen Anforderungen zu nennen. Pädagogisches Handeln ist zu einer umfassenden Herausforderung geworden.

Mir sind Lehrer bekannt, die sich aufgrund des unerfüllbaren Erwartungsdrucks irgendwie arrangieren, die Dienst nach Vorschrift machen, um nicht unterzugehen – und ich kann diese Haltung gut nachvollziehen! Aber ich kenne auch Pädagogen, Kolleginnen und Kollegen, die sich sehr bewusst entschieden haben diesen Beruf, allen Widerständen zum Trotz, mit einer tiefen inneren Überzeugung und ihrem ganzen Sein auszufüllen und zu Vorbildern für junge Menschen werden. Wenn Lehrersein mehr als nur Broterwerb ist, und als Berufung wahr- und angenommen wird, dann kann dies grundlegende Veränderungen für Kinder und Jugendliche mit sich bringen. Schüler und Schülerinnen – auch schwierige – wären dann nicht nur nervig und anstrengend, sondern gleichermaßen einzigartige, begabte und geliebte Geschöpfe Gottes, die gefördert, ermutigt und begleitet werden dürfen.

Lehrer, die sich als Berufene empfinden, haben einen Perspektivwechsel vollzogen. Sie haben entdeckt, dass sie Ermutiger, Ermöglicher, Berater, Hoffnungsträger, Ermahner, Perspektiven-Eröffner und vieles mehr sein können. Ja, Vieles ist und bleibt eine Belastung, und das ändert sich nicht unbedingt, wenn die Berufung erkannt und gelebt wird. Es ist ein Leben in einer Spannung, die nicht immer und vollständig aufgelöst werden kann, sondern mit der man umzugehen lernen muss.

Vernetzen und ermutigen

Wie wäre es, wenn sich christliche Pädagogen im Deutschland, Österreich und der Schweiz miteinander vernetzen, sich austauschen, gegenseitig ermutigen und für ihren Alltag inspirieren lassen? Vielleicht können mehr Pädagogen und Lehrer auch dadurch ganz neu ihren Beruf als Berufung entdecken und annehmen und sich als Hoffnungsträger in dieser Welt verstehen.

Willow Creek Deutschland möchte dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Auftakt dazu soll der Leitungskongress vom 8. – 10. Februar 2018 in Dortmund sein. In Kongresspausen sowie am Abend wird es für alle, die im pädagogischen Bereich tätig sind, Begegnungsmöglichkeiten und Zusammenkünfte geben. Eine verheißungsvolle Chance – nicht nur für diesen Berufsstand, sondern auch für den Nachwuchs in unserem Land. Nähere Informationen werden im Herbst auf der Willow-Webseite veröffentlicht.

Angebot für Pädagogen beim Leitungskongress 2018

Für Christen in Kitas, Schulen und Hochschulen wird der Kongress in Dortmund noch wertvoller. Erstmals bietet Willow Creek Deutschland ein spezielles Angebot für Pädagogen. Sie haben die Möglichkeit, in einem eigenen Forum Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und fachlichen Input zu bekommen. Das Angebot für Pädagogen beim Leitungskongress 2018 wird geleitet von:

Dr. Nina Rothenbusch
Religions­pädagogin an der Leibniz Universität Hannover

Prof. Dr. Wolfgang Stock

Prof. Dr. Wolfgang Stock
ist Geschäftsführer des Christburg Campus in Berlin (evangelische Schulen und Kitas) und wird ab September ­Generalsekretär des Verbands Evange­lischer Bekenntnisschulen (VEBS).