ZUR ENTSTEHUNG VON WILLOW CREEK

Beim "Gemeindekongress 1993" in Nürnberg war Bill Hybels zum ersten Mal als Redner in Deutschland. Der Besuch markierte die Initialzündung für die Entstehung von Willow Creek Deutschland. Pfr. Klaus Eickhoff, ehem. Vors. der Arbeitsgemeinschaft für Gemeindeaufbau (AGGA), berichtet:

Im Jahre 1991 unternahmen wir mit der Arbeitsgemeinschaft für Gemeindeaufbau (AGGA) eine Studienreise in die USA. Jörg Knoblauch führte uns u.a. nach South Barrington zu einer in Deutschland bis dahin unbekannten Gemeinde. Schon nach den ersten Eindrücken wurde klar: „Das ist es! So etwa sollte Gemeinde sein!“ Was Christen im deutschsprachigen Raum ersehnten, hier war es: eine missionarische Gemeinschaft von wachen Mitarbeitern, die alles darauf anlegten, Menschen über echte Beziehungen sensibel für Jesus zu gewinnen.

Im August 1992 waren wir wieder bei „Willow“ – dieses Mal beim Leadership-Summit. Uns wurde endgültig klar: Auch wir möchten in diesem Sinne wirken. Wie aber konnte das unter unseren so anderen Bedingungen geschehen? Es reifte der Gedanke, Bill Hybels nach Deutschland einzuladen. Die Gelegenheit schien günstig: Im September 1993 war von der AGGA und der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der EKD (GGE) ein Kongress in Nürnberg geplant: Vision für ein entkirchlichtes Deutschland. Wir fragten Bill Hybels ob wir ihn dazu einladen dürften. Er antwortete mit einem kategorischen „Nein“, er sei stark überlastet und habe im Übrigen für Europa keinen inneren Ruf. Wie begossene Pudel standen wir da. Wir gaben nicht auf. Bei allem Respekt, das war nicht widerstandslos hinzunehmen. „Europa ist euer alter Kontinent. Gott hat euch in Amerika besonders gesegnet. Ich glaube, dass er euch ruft, davon etwas zurückzubringen“, entgegnete ich. Bill sagte lange nichts. Dann löcherte er mich mit Fragen. Wieder Stille. Und dann: „I'm convinced. I'll come.“

Am 16. September 1993 hielt Bill Hybels in Nürnberg zunächst zwei Vorträge bei der Vorkonferenz für Pastoren. Am nächsten Morgen machte uns Bill bei der Konferenz mit der „Strategie der sieben Schritte“ bekannt. Er war für „nur“ drei Vorträge über den großen Teich geflogen. Nach seiner Verabschiedung sangen wir ein Loblied, begleitet vom Lärm des aufsteigenden Hubschraubers,der unseren Gastredner zum Flughafen brachte. Es war Samstagvormittag. Bill musste am Sonntag in South Barrington predigen. Manche hielten das alles für zu kostenaufwendig. Niemand konnte ahnen, dass durch diese drei Vorträge eine Saat gesät wurde, aus der viel Frucht erwuchs. Ein Prozess wurde in Gang gesetzt der, so Gott will, um Seiner Ehre willen weiter und weiter geht. 

VON NÜRNBERG NACH HAMBURG

Kirchenaustritte, Mitarbeitermangel und finanzielle Probleme beherrschten in den 90er Jahren die Tagesordnungen vieler Gemeindeleitungsgremien. Aber auch Bonhoeffers These „Kirche ist nur Kirche, wenn sie auch Kirche für andere ist“, wurde wiederentdeckt Mit Bill Hybels‘ Besuch beim Gemeinde-Kongress ´93 in Nürnberg keimte bei vielen neue Hoffnung auf. Man wollte in Deutschland mehr von Willow hören. Die Reaktion aus den USA: wir sind eine Ortsgemeinde bei Chicago. Haben wir auch einen Auftrag für Deutschland? Wenn ja, wie kann er auf kirchenpolitisch sinnvolle Grundlage gestellt werden? „Lausanne Deutschland“ erschien als geeignete Plattform. So kam es 1994 zu einem historischen Treffen in Bad Homburg. Der damalige Vorsitzende Horst Marquardt fasste als Ergebnis zusammen, dass es zu einer Kooperation unter dem Dach von „Lausanne Deutschland“ kommen solle, mit Wilfried Bohlen als Koordinator. Nach der Sitzung wurde eine Spurgruppe gebildet – und die Arbeit begann mit Einladungen für das Willow-Gemeindemitglied, dem Deutsch-Amerikaner Lou Hueneke in Gemeinden und auf Pastorentagungen.

 Immer mehr Menschen wollten auch „das Original“ erleben. So begannen die ersten Studienreisen nach Chicago. 1994 war Hybels Referent beim Kirchentag – in überfüllter Halle. Weil die Bewegung über den evangelikalen Rahmen hinaus eine große Akzeptanz fand, wurde 1995 in Frankfurt ein Konsultationstag mit dem damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Dr. Klaus Engelhardt, Bill Hybels und etwa 180 Leitern aus dem gesamten Spektrum der evangelischen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften einberufen. Das Vertrauen wuchs, weil es nicht darum ging, ein (US-) Modell) zu kopieren, sondern das Thema „Gemeinde“ neu zu kapieren und das bei Willow neu entdeckte in seinem jeweiligen Kontext umzusetzen.

Die Entscheidung wurde getroffen, Bill Hybels und ein Team aus seiner Gemeinde 1996 zu einem Willow Creek Kongress nach Deutschland einzuladen. Durch diese einmalige Veranstaltung sollten viele Gemeinden die Gelegenheit haben, Vision, Auftrag und Werte dieser Gemeinde kennen zu lernen. Unklar war die Hallengröße: würden 500 oder 1000 Plätze reichen? Schließlich wurde das Hamburger Congress Centrum mit 3.000 Plätzen gebucht. Aber schon bei der Frühbucherfrist hatten sich 3.700 Personen angemeldet! Bill Hybels wurde zu einer Folge-Konferenz direkt im Anschluss an die erste überzeugt. Auch sie war bald ausgebucht. Es blieb nicht bei einem einmaligen Willow Kongress in Hamburg. Zahlreiche folgten. Eine Bewegung für "wirkungsvolle Gemeinden" war entstanden.