Kaum jemand hat die inhaltliche Ausrichtung der Willow Creek Kongresse so geprägt wie Jörg Ahlbrecht, ehemaliger Produzent des Leitungskongresses. Nach 30 Jahren verabschiedet er sich aus unserem Team und blickt dankbar zurück auf seine Erkenntnisse und Erlebnisse in dieser prägenden Zeit. 

Seit mehr als dreißig Jahren bin ich Teil der weltweiten Willow Creek Bewegung. Was 1995 mit einem Wochenendseminar in Hannover begann, hat den weiteren Verlauf meines Lebens und meiner beruflichen Ausrichtung massiv verändert. In den letzten zweiundzwanzig Jahren hatte ich das Vorrecht, als Hauptamtlicher bei Willow Creek Deutschland einen Teil der Arbeit in unterschiedlichen Funktionen mitgestalten zu dürfen. Ich habe in dieser Zeit rund 100 Kongresse besucht und eine Reihe davon selbst geplant oder mitgestaltet. In Summe habe ich mehr als 10 Monate in den USA verbracht und wurde zu einem Wanderer zwischen den unterschiedlichen Kirchen-Welten, sowohl zwischen den USA und Deutschland als auch zwischen den verschiedenen innerdeutschen kirchlichen Welten. Von der Landeskirche bis zu den Pfingstlern, vom Gnadauer Gemeinschaftsverband bis zu ICF und Hillsong, von den Baptisten bis zur Katholischen Kirche – überall habe ich wundervolle Jesus-Nachfolger getroffen und bin sehr dankbar für diese breite Perspektive.  

Ich stehe nun am Ende meiner Willow Zeit und unternehme einmal den Versuch, die wichtigsten Erkenntnisse aus den vergangenen Jahrzehnten komprimiert in einem Artikel zusammenzufassen.  

Die Ortsgemeinde ist und bleibt die Hoffnung der Welt – wenn sie richtig funktioniert!  

Ich bin mir durchaus bewusst, dass nicht die Ortsgemeinde die Menschen rettet, sondern Christus. Aber die Ortsgemeinde – wenn sie tut, wozu es sie gibt – ist und bleibt das wesentliche Werkzeug, durch das Menschen Jesus Christus kennenlernen. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes alternativlos! Die Ortsgemeinde ist der Ort, wo suchende Menschen Raum finden, um Fragen zu stellen, die Botschaft der Bibel zu hören, besser kennenzulernen und erste Schritte im Glauben und der Nachfolge Jesu zu machen. Ziel dieses Prozesses ist, dass sie zu hingegebenen Nachfolgerinnen und Nachfolgern Jesu werden, die immer mehr lernen, seiner selbstlosen Liebe Raum zu geben und durch sie verändert zu werden. Denn es sind verwandelte Menschen, durch die Gott die Welt verwandelt. Wenn die Ortsgemeinde entschlossen dieses Ziel verfolgt, wenn Gemeinde die Menschen auf diesem Weg begleitet und befähigt, dann ist sie Hoffnung der Welt. Denn was durch sie geschieht, vermag niemand anders zu tun.  Sie verhilft Menschen zu erkennen, dass das Reich Gottes real ist. Dass wir in der Nachfolge Jesu lernen können, in dieser Wirklichkeit zu leben. Und dass wir auf diesem Weg Stück für Stück verwandelt werden zu Menschen, deren Leben von der selbstlosen Liebe Gottes mehr und mehr durchdrungen ist. Eine solche Gemeinde bringt durch Gottes Geist liebevollere Menschen hervor. Menschen, die nach dem Guten streben – und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für alle.  

 

Lebensveränderung ist möglich!

Gott kann und will Menschen in der Tiefe ihrer Persönlichkeit und ihres Charakters verändern. Das habe ich in der Gemeindelandschaft, in der ich aufgewachsen bin, zwar als Botschaft gehört, aber kaum praktisch erlebt. Manchmal wurden Menschen seltsamer, aber das war hier ja nicht gemeint. Neugierig geworden durch den Besuch der Willow Creek Kongresse wurde für mich die Willow Creek Community Church in South Barrington in den USA viele Jahre lang der wichtigste Ort, weil ich hier echte Veränderung in Menschen erleben und studieren konnte. Diese Gemeinde brachte offensichtlich liebevollere Menschen hervor – Menschen, die mich in ihrer demütigen Haltung, ihrer leidenschaftlichen Hingabe, ihrer hingegebenen Dienstbereitschaft und ihrem tiefen Wunsch, für Gott das Beste zu geben, jedes Mal zutiefst beeindruckt und inspiriert haben. Diese Gemeinde in Aktion zu erleben, hinterließ einen tiefen und nachhaltigen Eindruck in mir. Es war, als riefe Gott bei jedem Besuch eine bessere Version aus mir heraus: „Hey Jörg, da steckt noch ein besserer Ehemann in dir, ein besserer Vater, ein besserer Freund, ein besserer Kommunikator. Ein besserer Pastor!“ Dabei geht es nicht um Perfektion oder religiöse Performance, sondern um die tiefe Sehnsucht nach innerem Wachstum. Es geht um den Wunsch, dem Guten, das von Gott kommt, in mir selbst immer mehr Raum zu geben und dadurch verwandelt zu werden. 

Auch wenn in der Willow-Gemeinde am Ende der Hybels-Ära etwas gekippt ist, bleibt für mich dennoch die Erfahrung, dass die Veränderung meiner Haltung, meiner Motive, meines Charakters möglich ist. Dass die Gemeinde Jesu ein Ort der Verwandlung sein kann, an dem Menschen nicht perfekt, aber Stück für Stück ein wenig heiler, ein wenig demütiger, ein wenig großzügiger, ein wenig zugewandter, ein wenig liebevoller werden können. Daher möchte mich heute nicht mehr mit dem Status quo bei mir selbst und auch nicht bei anderen abfinden. Jeder kann und darf kommen, wie er oder sie ist. Aber das bedeutet nicht, dass wir auch so bleiben müssen! 

 

Die Kraft der moments – wenn Kunst und Verkündigung zusammenkommen 

Das erste Erlebnis eines solchen „God moment“ liegt für mich schon lange zurück, aber es hat nichts von seiner Strahlkraft verloren. Es war ein Moment, in dem Gott eine Mischung aus Theater, Musik, Wort, Licht, Atmosphäre, künstlerischer Exzellenz und Leidenschaft genutzt hat, um mich tief zu berühren. Das war kein emotionales Puschen, sondern ein schlichter, aber absichtsvoller Einsatz der Künste, um meiner Seele zu helfen, präsent zu sein. In eine Geschichte einzusteigen, dort meinem eigenen Schmerz und meinen Fragen zu begegnen und dann zu erleben, dass Gott mich in dieser Situation auffängt. So hatte ich Kirche nie zuvor erlebt. 

Wenn Kunst, Musik, Theater, Tanz, Spoken Word, Video-Art, Storytelling, Lichtdesign und Sound zusammenarbeiten, um einen Raum zu schaffen, in dem Gott Menschen berühren kann, dann ist das mächtig! Dabei ist völlig klar, dass wir die Berührung durch Gott nicht machen können. Alles, was wir tun können, ist Menschen zu helfen, durch den Einsatz von Kunst ganz bei sich und im Moment zu sein. Aber ich habe unzählige Male erlebt, dass Menschen dann auch die Gegenwart Gottes erlebt haben. Und diese Berührung durch Gott verändert oft viel mehr, als die besten Ideen, Strategien oder Fähigkeiten, die auf einem Kongress vermittelt werden. Menschen, die von Gott neu berührt werden, fahren verändert nach Hause, weil sie etwas erlebt und erkannt haben, das nicht mit Worten zu fassen ist, sondern nur mit der gesamten Seele.  Aber es verändert alles. […] 

 

Die unfassbare Kraft und Schönheit eines Teams 

Nichts, von dem, was Willow in den vergangenen 30 Jahren im Land bewegt hat, hätte einer allein tun können. Egal wie begabt, egal wie berufen – Willows Kraft war über die gesamte Zeit hinweg die Kraft eines wunderbaren Teams, in dem jeder in seinem Bereich höchst kompetent war, und zugleich bereit, sich in das große Ganze ohne persönliche Eitelkeiten oder Egoismen einzubringen. Es war der große Traum, die packende Vision, die dieses Team einte – und durch das jedes Mal das Wunder entstehen ließ, dass etwas entstand, was viel mehr war als die Summe der Einzelteile.  

Es war ein Privileg und Vorrecht, in einem so hingegebenen Kongress-Team zu arbeiten und die Schönheit zu erleben, wenn jeder sein Bestes gibt und jeder versucht, die anderen zu ergänzen.  

Willow wurde für mich immer wieder so zu einem inspirierenden Bild, was in der Ortsgemeinde möglich wäre, wenn wir uns in der Vision einig sind – und bereit zu dienen. Wie auch immer sich in Zukunft der Leib Jesu in dieser Welt ereignen wird: Diese Lektionen werden mit mir gehen.

Dieser Text ist eine gekürzte Version – den gesamten Text kannst du im Willow Magazin 3/26 nachlesen (erscheint Anfang November 2026).

 

Das gesamte Willow-Team bedankt sich von Herzen bei Jörg für seine großartige Arbeit. Lieber Jörg, du hast uns und die Arbeit von Willow Creek geprägt und sichtbare Segensspuren hinterlassen. Wir wünschen dir für deinen weiteren Weg Gottes reichen Segen und alles Gute!