„Je bunter das Bild wird, desto mehr erstrahlt die Schönheit der Gemeinde Jesu“
Jörg Ahlbrecht, Produzent des Leitungskongresses, blickt in einem persönlichen Bericht zurück auf bewegte Zeiten vor und während des Leitungskongresses.
„Alles, was du willst, das soll geschehn.
Lass mich diese Welt durch dein Herz sehn.
Dahin wo du gehst, da will ich gehn.
Gott, hier bin ich, sende mich!
Sende mich!“
Es ist jedes Mal das Gleiche – und doch kann ich mich einfach nicht daran gewöhnen. Eben noch war diese riesige Halle in warmes Licht getaucht, gefüllt mit Gesang und Lobpreis, Tausende von Menschen haben dem Ort ihre Wärme eingehaucht, es war eine Atmosphäre, die unter die Haut ging. So viele Menschen aus unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden sangen aus voller Kehle gemeinsam mit der Band Central Arts:
„Alles, was du willst, das soll geschehn. Lass mich diese Welt durch dein Herz sehn. Dahin wo du gehst, da will ich gehn. Gott, hier bin ich, sende mich! Sende mich!“
Und dann ist plötzlich Schluss. Der letzte Akkord verklungen, das Hallenlicht geht an, noch einen Moment stehe ich vor der Bühne, ein paar kurze Begegnungen mit Menschen, die mir auf die Schulter klopfen oder ein paar Worte sagen, bevor sie sich verabschieden. Ein schnelles Teamfoto mit den Menschen, mit denen ich die vergangenen Monate intensiv an diesem Programm gearbeitet habe.
Wir schauen uns dankbar und erfüllt in die Augen – feiern das Vorrecht dieses gemeinsamen Dienstes, der uns alle auf so tiefe und innige Weise verbunden hat. Doch schon 20 Minuten später klappern und knallen die Gerüste und Traversen, Tageslicht flutet den Raum, kalte Zugluft weht durch die Halle, Techniker mit Handschuhen und Helmen eilen auf der Bühne hin und her – und bauen ab.
Der Leitungskongress 2026 ist Geschichte. Obwohl ich es zigmal in den letzten 30 Jahren erlebt habe, fällt mir die Umstellung immer wieder schwer. Wie sehr wünsche ich, diese Erfahrung in der gefüllten Halle festzuhalten, und kann es doch nicht. Alles hat seine Zeit. Ich stehe einen Moment lang verloren in dem Gewusel und versuche noch einmal die letzten Wochen und Monate Revue passieren zu lassen.
Auch dieser Kongress begann mit einem weißen Blatt Papier, intensiven Gebetszeiten und vielen Gesprächen im Vorfeld. Über die Monate hinweg formte sich langsam das Oberthema „Rooted – Verwurzelt“, eine erste Liste mit möglichen Referentinnen und Referenten wurde in der Willow-Mitgliederversammlung diskutiert, erste Vortragsthemen und Ideen für Programmelemente festgelegt.
Das Programm-Team schärfte die Vision für den LK26 auf seiner Klausur und ging dann mit großer Leidenschaft an die Vorbereitung und Umsetzung. Skripte mussten geschrieben, Künstlerinnen und Künstler angefragt, Referentinnen und Referenten gewonnen, Budgets erstellt und Zeitpläne entworfen werden.
Im Sommer das Kickoff-Meeting mit dem Technik-Team – denn das Programm muss ja mit Bühnendesign, Licht, Ton, Video und IT konkret in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Die Dreharbeiten zu den Grander Vision-Videos haben zwar schon im Sommer begonnen, aber nun muss der Rohschnitt der Videos durchgesehen und jede der Stories geschärft werden.
Fünf Monate vor dem Kongress beginnen die wöchentlichen Online-Meetings mit allen Technik-Gewerken. Ausschreibungen an Dienstleister müssen erstellt, Mitarbeiterteams aufgestellt, Problemfelder identifiziert werden. Die besondere Herausforderung diesmal: Die Live-Schalte nach Los Angeles mit John Mark Comer. Wir sind weltweit einer der wenigen Kongresse, auf denen John Mark Comer bereit ist, zu sprechen.
Aber wie lösen wir die technischen Herausforderungen, eine stabile Leitung, guten Ton und Licht, die Frage der Übersetzung ins Deutsche? Die Programmelemente wie der Kongress-Opener und die multimediale Sturmstillung gewinnen Gestalt und müssen konkret ausgearbeitet werden.
Drei zentrale Bildschirme auf der Bühne brauchen guten visuellen Content und eine solide Koordination. Der Auftritt des Gospelchores am Samstag macht einen Bühnen-Umbau erforderlich – es sind gefühlt hundert Herausforderungen und Kleinigkeiten im Blick zu behalten.

Über den Jahreswechsel bin ich noch einmal ein paar Tage zu Hause, um durchzuatmen. Schwung holen für den Endspurt.
Ich gehe wie üblich am Anfang des Jahres ein paar Tage zum Schweigen ins Kloster. Im bangen Fragen und Sorgen über das, was vor mir liegt, höre ich Gottes mächtiges „Ich werde mit dir sein!“ in der Tiefe meiner Seele. Danach fahre ich getrost nach Hause. Daran kann ich mich festhalten.
In den letzten vier Wochen vor dem Kongress sind die Tage lang, häufig gehen Besprechungen bis in den Abend hinein. Zwei Wochen vor dem Kongress sehe ich in meinem Postfach zwei E-Mails direkt hintereinander, in denen zwei Speaker für den Kongress kurzfristig absagen müssen. Uff – das hatten wir auch noch nicht! Eine dieser Absagen hatte ich als Möglichkeit auf dem Schirm, die andere nicht. Was ist jetzt zu tun? Für den einen Referenten kann ich einspringen, bei dem anderen ergibt sich in den nächsten Stunden die Möglichkeit, seinen Vortrag bei ihm zu Hause aufzuzeichnen. Das bedeutet allerdings rund 1000 km Autofahrt und zusätzlich einen ganzen Tag Zeitaufwand, wie soll ich das noch irgendwie dazwischenschieben?
An dem Morgen, als ich um 5 Uhr aufbrechen will, sind über Nacht 20 cm Neuschnee gefallen – die Straßen noch nicht geräumt.
Die Wetter-Aussichten versprechen zwar, dass es 50 km weiter im Süden mit dem Schnee besser werden soll, aber ob ich bei uns überhaupt wegkomme, ist fraglich. Im Vertrauen, dass es schon gehen wird, fahre ich los – und habe nach einer Stunde wirklich einigermaßen freie Fahrt.
Der Videodreh klappt – wir können den Kongress-Besuchern einen angemessenen Ersatz liefern. Erleichtert fahre ich zurück nach Hause. Dann beginnt die Kongress-Woche. Drei Tage Vorbereitung vor Ort, Aufbau und Proben bis in den späten Abend hinein. Keine Nacht mehr als 4-5 Stunden Schlaf. Eine endlose Anzahl von Stressmomenten, Krisenmanagement, Problem-Lösungs-Strategien. Ein weiterer Speaker sagt krankheitsbedingt ab.
Wer fängt das auf? Das aufgezeichnete Speakervideo wurden in der falschen Reihenfolge zusammengeschnitten – wer kann das jetzt korrigieren? Die Assistentin eines Referenten muss seine Probe verschieben. Da hängen über 30 Techniker dran, schnelle Abstimmung im Team:
Wohin könnten wir das schieben? Die Stühle für das Team am Mischpult für Licht und Ton sind nicht geliefert worden – im Stehen können sie den Kongress jedenfalls nicht durchführen, also müssen wir Ersatz beschaffen. Die Tage sind eng getaktet. Alles, was länger dauert oder anders läuft als geplant, wirft uns zeitlich zurück – obwohl wir schon Puffer eingeplant haben. Zwischendrin könnte ich Heulen vor Berührung, weil dieses Kongress-Team einfach unglaublich ist.
Die Techniker leisten unfassbar gute Arbeit. Sie gehen mehrfach an die Grenzen, ja, sogar weit darüber hinaus. Sie finden Lösungen, unaufgeregt, sachlich, ruhig, und Stück für Stück ruckelt sich alles zurecht. Die Kongress-Organisation ist ebenfalls einfach beeindruckend. Dani Seemann und ihr Team lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen und finden pragmatische Lösungen, egal, wie groß das Problem gerade scheint. Das Programm-Team arbeitet kontinuierlich und engagiert mit Künstlerinnen und Künstlern, stimmt Prozesse mit den Technikern ab. Martin Sass, der als „Show-Caller“ sämtliche Proben und später auch den gesamten Kongress souverän, ruhig und freundlich wie ein Stardirigent durchdirigiert, – sie alle geben mir das Gefühl, mit einem Weltklasse-Orchester den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den kommenden Tagen dienen zu dürfen. Was für ein Vorrecht!
Am Mittwochabend sind fast alle Probleme gelöst. Das Kick-Off für die Mitarbeiter wird für mich etwas unerwartet zur emotionalen Achterbahn, denn ich werde sehr liebevoll von meinem Team nach 22 Jahren Willow verabschiedet. Sie präsentieren mir ein Video von Weggenossen aus den vergangenen 22 Jahren, in dem ich viel Liebe und Wertschätzung erlebe.
Die dann folgenden zweieinhalb Tage verfliegen schnell wie ein Traum. Kaum hat der erste Tag begonnen, ist er auch schon zu Ende. Es waren viele, tolle Highlights dabei. Mit der Friedensglocke aus Köln eröffnen wir den Kongress – der Opener schafft den ersten bewegenden Moment. Tod Bolsinger liefert einen beeindruckenden Eröffnungstalk ab und kommt super an. Mindy Caliguires Impuls für die Seele hat Tiefe und fordert heraus. Die multimediale Sturmstillung mit anschließendem Weg in die Stille mit Sebastian Steinbach war ein Risiko – aber es klappt – wer hätte gedacht, dass man sowas mit knapp 6.000 Menschen in der Halle machen kann? Patrick Todjeras und Maike Ritzers Talk entpuppt sich als ein komprimierter Mega-Mut-Macher. Und am Ende des Tages klappt auch die Live-Schalte mit John Mark Comer. Das Interview, das Felix Ronsdorf, der Leiter von Practicing the Way DACH, führt, hat Tiefe und steckt voller Inspiration. Ich atme am Ende des Tages tief durch, aber mehr Zeit bleibt nicht. Direkt nach dem Programm beginnen die Proben für den nächsten Tag. Der zweite Tag vergeht gefühlt noch schneller als der erste. Während der Worship-Zeit bauen wir auf der Bühne einen Chor von unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen und Backgrounds, die alle Gott loben. Ein Feuerwehrmann, eine Pflegekraft, ein Manager, eine Polizistin, ein Schulkind, eine junge Mutter, ein Junge mit Down-Syndrom, eine Rolli-Fahrerin, eine blinde Frau, ein Pfarrer, ein alter Mann, ein Afrikaner, ein Asiate – je bunter das Bild wird, desto mehr erstrahlt die Schönheit der Gemeinde Jesu – die alle diese Menschen im Lob Gottes verbindet.
Der dann folgende bunte Blumenstrauß aus Vorträgen und Impulsen von Dekan Markus Weimer über Julia Garschagen vom Pontes Institut, hin zu André Häusling (ein erstklassiger Impuls von einem Wirtschaftsfachmann) bis zum Compassion-Mitarbeiter Jonathan Almonte, – und dann am Nachmittag die Panels, die so viel Positives im Reich Gottes abbilden. Das Video von Martin Schleske rundet den zweiten Tag ab. Martin ist kantiger, provokanter als ich ihn sonst kenne.
Aber ich vertraue darauf, dass jeder für sich das mitnehmen kann, was er oder sie hören muss. Wieder geht das Programm am Abend fast nahtlos in die Proben für den letzten Tag über. Am nächsten Morgen wechselt meine Rolle. Mein Co-Produzent Felix Padur übernimmt nun die Rolle des Produzenten, weil ich als Referent auf der Bühne stehe.
Der Gospelchor setzt einen wunderbaren Rahmen und ich kann meinen Vortrag über das ewige Leben mit großer innerer Ruhe halten. Und dann ist schon zum Abschluss des Kongresses Dave Ferguson dran – er betont nochmal die Notwendigkeit der inneren Selbstfürsorge und wie wichtig es für Gemeinden ist, sich auf allen Ebenen zu multiplizieren. Nach dem Dank an die Mitarbeitenden und dem Segen kommt der Kongress-Closer und mit dem Lied „Sende mich“ ist die Arbeit von gut eineinhalb Jahren vorbei.
Was bleibt von diesem Kongress? Welche Auswirkungen werden sich im Leben von Einzelnen oder von ganzen Gemeinden niederschlagen? Gott weiß es! Und das ist genug!
