Auf dem Leitungskongress 2026 hielt Dave Ferguson einen inspirierenden Vortrag über sein Herzensthema: Gemeinden multiplizieren. Darüber, wie er trotz großer Vision den Blick für den Einzelnen behält und über persönliche Erfahrungen hat er mit uns im anschließenden Interview gesprochen. 

Dave, Multiplikation von Gemeinden ist dein Herzensthema. Wie kam es dazu?
Gab es einen Moment in deinem Leben, in dem du spürtest: Dafür will ich mich mit aller Kraft und Leidenschaft einsetzen? 

Multiplikation von Gemeinden ist mir wirklich wichtig geworden – das reicht wahrscheinlich bis in mein erstes Studienjahr zurück. Ich rang mit dieser einen Frage, die wir auf dem Leitungskongress auch ein wenig behandelt haben: Wofür wirst du dein Leben einsetzen? Denn jeder setzt sein Leben für irgendetwas ein. Und als ich begann, mich wirklich mit dieser großen, tiefgründigen Frage auseinanderzusetzen, kam mir schließlich der Gedanke: Ich möchte mein Leben dafür einsetzen, Menschen dabei zu helfen, ihren Weg zurück zu Gott zu finden, Jesus zu finden und ihm nachzufolgen. Und der beste Weg, das zu tun, war meiner Ansicht nach, eine Gemeinde zu gründen. Und ein noch besserer Weg wäre es dann vielleicht, eine Gemeinde zu gründen, die eine Gemeinde gründet, die wiederum Gemeinden gründet. Als ich anfing, in größeren Dimensionen darüber nachzudenken, wurde mir klar: Der beste Weg, damit Gemeinden sich vermehren, war es, weitere Gemeinden zu gründen. 

Wie kann man als Leiter vermeiden, den Blick für den Einzelnen zu verlieren, wenn Wachstum und Gemeindeneugründung das größere Ziel ist? Anders gefragt: Wie behält man den Blick für den einzelnen, wenn Zahlen wichtig werden? 

Ich glaube, jede Führungskraft, die eine große Vision oder einen großen Traum hat, steht vor der Herausforderung, sowohl den Einzelnen im Blick zu behalten – denn letztendlich geht es ja um die Menschen –, als auch gleichzeitig immer den größeren Traum zu verfolgen. Eines der Dinge, die ich versucht habe und die ich auch bei Führungskräften beobachtet habe, die ich wirklich bewundere, ist dies: Sie führen auf der untersten Ebene, überspringen dann vielleicht einige Ebenen dazwischen und führen dann aber auch auf der obersten Ebene. Ich mache ein Beispiel: Freunde von Sue, meiner Frau, und mir, sind Nicky und Pippa Gumble, die Alpha ins Leben gerufen haben. Ich weiß nicht, wie viele Semester und Jahre Nicky hintereinander immer einen Alpha-Kurs geleitet hat. Er konzentriert sich stets darauf, bei den Menschen zu sein. Gleichzeitig gibt es ein ganzes Team von Menschen bei Alpha UK, bei Alpha Global, die die ganze Arbeit leisten, und er ist der Vorstandsvorsitzende. Ich denke, dass man als Leiter immer auf der untersten Ebene engagiert sein möchte, aber dann andere Menschen Dinge tun lässt, während der eigene Einfluss weiterwächst, und sich dann auf der obersten Ebene einbringt.  

Eines der Dinge, die ich versuche und tun möchte, ist, immer in einer Kleingruppe mitzuwirken. Wenn ich also in einer Kleingruppe mitwirke, die Jüngerschaftsleiter ausbildet, dann bin ich mit echten Menschen verbunden. Vielleicht bin ich dann gerade nicht beratend tätig oder leite keine bestimmte Gemeinde. Vielleicht treffe ich mich stattdessen aber, wie diese Woche [auf dem Leitungskongress, Anm. der Redaktion] mit internationalen Führungskräften, die all diese Bereiche beeinflussen. Ich glaube, man kann beides tun, und ich halte das für wirklich, wirklich wichtig, damit man den Kontakt zu den Menschen aufrechterhält, aber dennoch den großen Traum weiterverfolgt. 

Was würdest du Leitenden sagen, die erschöpft und müde sind vom „daily business“ – und die vielleicht mehr mit ihrem "Überleben" als Gemeinschaft beschäftigt sind als mit Gedanken über Wachstum und Multiplikation? 

Ich weiß, dass die Rede von Multiplikation, von einem großen Traum und einer grandiosen Vision für viele Leitende anstrengend und überwältigend ist angesichts dessen, was ihr gerade durchmacht. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir – um es kurz zu sagen – die Mission Jesu auf Jesu Art erfüllen müssen. Wenn wir das tun, dann wird es Zeiten geben, in denen es wirklich, wirklich schwer ist. Es wird Zeiten geben, in denen ihr euch ängstlich und niedergeschlagen fühlt. Aber wenn das über einen längeren Zeitraum so bleibt, dann müsst ihr meiner Meinung nach die Lage neu bewerten und sagen: Okay, bei der Verfolgung dieser großen Mission gehe ich wahrscheinlich nicht auf die Art und Weise Jesu vor.  
Und ihr solltet wirklich anfangen, über diese vier Bereiche nachzudenken, mit denen ich die Menschen herausfordere: zwischenmenschlich, körperlich, geistig und spirituell. Wie steht es um meine Beziehungen zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben? Wie geht es mir körperlich? Achte ich auf mich selbst, auf meinen Körper? Bekomme ich genug Schlaf? Ernähre ich mich richtig? Bewege ich mich genug? Psychisch: Brauche ich einen Seelsorger, einen Therapeuten oder einen geistlichen Begleiter? Und dann auch spirituell: Wie läuft es zwischen mir und Gott? Ich glaube, wenn wir das rechtzeitig tun, werden wir beginnen, die Mission Jesu auf seine Art zu erfüllen. Und ich glaube, man muss ihm in all dem einfach vertrauen. Für diejenigen, die das vielleicht hören und denken, „Oh mein Gott, ich bin einfach erschöpft“: Ich denke, ihr solltet euch vielleicht zuerst auf eure Gesundheit konzentrieren. Und diese Gesundheit dann vermehren, denn wenn ihr gesunde Leiter seid, werdet ihr gesunde Dinge hervorbringen. Das bedeutet es meiner Meinung nach, die Mission Jesu auf seine Art zu erfüllen.  

Wenn du Leitenden nur einen Rat geben könntest, welcher wäre das? 

Wenn ich einem Leiter nur einen einzigen Rat geben könnte, wäre es wohl dieser: Du wirst das hervorbringen, wer du bist und was du tust. Wenn du zum Beispiel als Leiter, als Pastor möchtest, dass die Menschen in deiner Gemeinde großartige Väter sind, dann gib dein Bestes, um selbst ein großartiger Vater zu sein. Du musst nicht perfekt sein, aber strebe danach, und sie werden sehen, dass du das tust und es widerspiegeln. Wenn du möchtest, dass die verheirateten Männer in deiner Gemeinde großartige Ehemänner sind, dann gib dein Bestes, um selbst ein wirklich großartiger Ehemann zu sein. Auch hier gilt: Du musst nicht perfekt sein. Wenn du möchtest, dass immer mehr Menschen in deiner Gemeinde Kleingruppen oder missionarische Gemeinschaften leiten, dann leite selbst eine und sprich darüber. Ich glaube, manche Leiter vergessen, dass man im Grunde genommen ein „Kulturschöpfer“ ist und dass man das, was man ist und tut, weitergeben wird. Kurz gesagt: Ich glaube, der beste Rat, den ich jemandem geben kann, lautet: Du wirst das, was du bist und was du tust, weitergeben und hervorbringen. 

Was ist die Kernbotschaft deines Vortrags des Leitungskongresses 2026, die die Teilnehmenden unbedingt mitnehmen sollten? 

Die Kernbotschaft, von der ich hoffe, dass die Menschen sie aus meinem Vortrag mitgenommen haben, sind die ersten Worte meines Buches „Multiplier – Wie gesunde Führungskräfte nachhaltige Wirkung erzielen“: Es liegt in dir. Meiner Meinung nach vergessen wir etwas Fundamentales: Wenn der Geist Jesu in uns ist – was auf jeden Nachfolger Jesu zutrifft – dann steckt in dir das Potenzial für eine Bewegung. Die einfache Praxis, die Jesus anwandte, lautete: Er brachte Jünger hervor, die wieder andere Menschen zu Jüngern machten. Er ging hinaus und sagte: „Folgt mir nach.“ Und dann brachte er sie in einer geistlichen Gemeinschaft zusammen. Also lernen wir: geistliche Gemeinschaften gründen, Kleingruppen, Missionsgemeinschaften, wie auch immer man sie nennen mag. Jesus tat das, weil Beziehungen Katalysatoren für Lebensveränderung sind. Und drittens: Als seine Nachfolger wuchsen und reifer wurden, mobilisierte er neue Leiter und sandte sie aus. Wenn wir diese drei Dinge tun – Jüngerschaftsleiter ausbilden, geistliche Gemeinschaften gründen, neue Leiter mobilisieren –, dann ergibt sich daraus Punkt 4: Die Möglichkeit, neue Gemeindeformen ins Leben zu rufen, genau wie Jesus es nach drei Jahren tat. Er gründete die Kirche, die heute Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt umfasst. Jesus hat das getan und er lebt in jedem von uns. Ich wünsche mir, dass Menschen sich damit wirklich auseinandersetzen und sich fragen: Was bedeutet es für mich, mich für den Heiligen Geist zu öffnen, der dieses Potenzial in uns alle hineingelegt hat?